Zerstörung für die Energiegewinnung oder Erhaltung von Siedlungen und historischen Gebäuden? Eine Fragestellung, die auch in jüngster Vergangenheit noch Menschen im rheinischen Braunkohlerevier umtrieb. Und so machte sich der Eifel- und Heimatverein Rheinbach erstmalig auf den Weg und beschäftigte sich auf seiner Wanderung mit der Thematik. Startpunkt der Wanderung war Alt-Kaster, ein Stadtteil von Bedburg, der dank seines denkmalgeschützten, mittelalterlichen Bausubstanz dem Tagebau damals nicht zum Opfer gefallen war. Doch der Besuch des Ortskerns wurde auf das Ende der Wanderung vertagt, zunächst ging es erst einmal entlang der Stadtmauer zur Burg Kaster. 1273 erstmalig erwähnt und im Jahr 1648 zerstört, thront nun nur noch die Ruine oberhalb der Mühlenerft. Schnell jedoch lenkten kleine Lebewesen die Aufmerksamkeit der Wandernden auf sich: unzählige kleine Frösche sprangen mutig auf dem Weg herum und erschwerte die Fortsetzung der Wanderung. Niemand wollte die Kleinen aus Versehen töten und so setzen alle ganz vorsichtig ihre Füße auf. Endlich war es geschafft, die Herrscharen von Amphibien war passiert und so ging es über den Fluss hinein in die "grüne Hölle". Ein kleiner, schmaler Pfad führte die Gruppe durch ein grünes Dickicht. Bald säumten unzählige Lupinen den Weg bevor es hoch auf die Ebene ging. Eine große weite Fläche eröffnete sich vor den Augen der Wanderern - gespickt mit Windrädern zu deren Füßen sich diverse Felder erstreckten. In der Ferne Neurath und Niederaußem. Kein so schöner Anblick! Zum Glück war der Tag mit unter ein wenig trüb und so verschmolzen die beiden Kohlekraftwerke fast im Grau des Himmels. Nicht weiter schlimm! Weiter ging es des Weges, der nun zum Gedenkplatz für Schloss Harff führte. Nach einer Brandstiftung Anfang 2024 ist jedoch leider nicht mehr viel von dem Platz zu sehen. Bisher unbekannte Randalen hatten eine der Hütten in Brand gesetzt und die Sitzgruppe mutwillig zerstört (Quellen: Rundschau sowie Kölner Stadt-Anzeiger; 01/2024). Schade eigentlich, sollte der Platz doch an das historische Schloss erinnern, das 1972 für den Braunkohleabbau gesprengt wurde. Bereits 10 Jahre vorher war die Entscheidung für die Sprengung bekannt, wie ein historischer Bericht im WDR aus dem Jahre 1961 belegt: WDR Retro ∙ Hier und heute: Schlösser und Burgen in NRW. Schade eigentlich, denn die historischen Abbildungen zeigen ein schönes Gebäude. Auch die nahegelegene Ortschaft Morken-Harff sowie der Weiler Omagen fielen dem Abbau zum Opfer. Nur wenige Kilometer entfernt findet man die entsprechenden Erinnerungsstellen. Ansonsten erinnert nichts an diese Orte - aber auch nichts mehr an den Tagebau. Mittlerweile ist das Gebiet renaturiert und so konnten die Rheinbacher schon bald wieder in den Wald eintauchen, über den Wilden Kaiser-Steig den Berg erklimmen und sich über einen Aussichtspunkt Tiergarten wundern, der so gar keine Aussicht bot. Erneut ging es durch den "Dschungel", diesmal hinab zum Kasterer See und schon bald darauf war Alt-Kaster erreicht. Durch das Erfttor ging es in den historischen Ortskern, der mit viel Charm daher kam. Ein interessanter Ausflug in eine für die meisten bis dato unbekannte Region!
Wanderführer: Tom Schipper, Wanderkilometer: 14, Höhenmeter: 110, Text und Fotos: Claudia Kleinfeld